Innovations-Blog

Hackathons als Innovationstreiber für mittelständische Unternehmen

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Kreativer Workshop im modernen Büro
Bild: KI generiert

Neu sind Hackathons auch in Europa nicht, speziell in Deutschland aber nach wie vor eher eine Randerscheinung. Dabei spricht die empirische Lage eine klare Sprache: Laut einer deutsch-italienischen Studie können schon dreitägige Design-Sprint- und Hackathon-Wettbewerbe zu einem Wissenszuwachs von etwa 20 % führen, während die praktisch im Fokus stehenden Fähigkeiten sich im Mittel um 12 % verbessern.

Der Begriff "Sprint" kommt dabei nicht von ungefähr, sondern spielt praktisch eine Schlüsselrolle. Durch die zeitliche Begrenzung, typischerweise auf 24, 48 oder 72 Stunden, entsteht ein Katalysator, der zwei direkte Folgen mit sich bringt. Einerseits werden Mitarbeitende und Teilnehmende gezwungen, den sonst oftmals omnipräsenten Perfektionismus abzulegen, andererseits fehlt die Zeit für das produktivitätsreduzierende Overthinking. Konzentration und Effizienz sind also zwangsläufig notwendig.

Wissens-Silos in Unternehmen werden zudem aufgebrochen. "Silos" nennt man im Fachjargon die unternehmensinternen Know-how-Bubbles. Die Theorie dahinter: In vielen Unternehmen befinden sich eigentlich schon genügend talentierte und innovative Mitarbeitende, um neue Ideen und Wachstumstreiber zu entschlüsseln. Nur fehlt im gewöhnlichen Arbeitsalltag mindestens die Zeit dafür, oftmals scheitert es auch an fehlenden Kanälen, über die solche neuen Ansätze überhaupt eingebracht werden könnten.

Hackathons ziehen Mitarbeitende daher bewusst aus ihrer Routine heraus und schaffen sowohl eine räumliche als auch mentale Distanz zum klassischen Tagesgeschäft. Befreit von regulären Mails, Telefonaten, Meetings und Routine-Aufgaben, sollen sich Mitarbeitende voll und ganz auf ihre Ideen und Innovationen konzentrieren. Dabei werden dann, aufgrund der zeitlichen Begrenzung, auch keine langen Konzepte oder Businesspläne über unzählige Meetings ausgearbeitet. Stattdessen steht das "Rapid Prototyping" im Fokus: Mitarbeitende bauen also einen Minimalprototypen, mit dem sich erste Ideen zunächst auf den Prüfstand stellen und testen lassen. KMU finden darin mitunter genau die Idee, die im Idealfall anschließend ausgearbeitet für Jahre neue Wachstumsimpulse schaffen könnte.

In Anbetracht der zunehmenden Digitalisierung, des hinlänglich bekannten Fachkräftemangels und der seit vielen Jahren inflationsbereinigt stagnierenden Wirtschaft Deutschlands wächst der Druck auf den deutschen Mittelstand weiter. Einfache Lösungen gibt es nicht, wohl aber Optionen, die intern zumindest ausgelotet werden sollten. Eine davon sind Open-Innovation-Ansätze wie Hackathons - denn für die nächste große Idee müssen vielleicht nur die aktuell bestehenden Wissens-Silos aufgebrochen werden.

Wie Hackathons neue Ideen beschleunigen

Interdisziplinäre Teams als Grundlage für Innovation

Die bereits eingangs erwähnten Silos sollen durch Hackathons gezielt aufgebrochen werden. Teams setzen sich also interdisziplinär zusammen. Besteht jedes Team aus teils ganz unterschiedlichen Mitarbeitenden mit verschiedenen Kernkompetenzen, die wiederum jeweils anderen Abteilungen entspringen, sind die eingebrachten Perspektiven automatisch facetten- und zahlreich. Zudem läuft so eine beachtliche Bandbreite an Fachkenntnissen und praktischen Erfahrungen zusammen.

Die Teams arbeiten während des gesamten Sprints zusammen, befinden sich in einem kontinuierlichen Austausch und vermeiden dadurch effektiv einen Tunnelblick. Das ist besonders wichtig, denn was bringt ein technisch hoch entwickeltes Produkt, das so kompliziert ist, dass der Vertrieb es nicht effektiv gegenüber dem Kunden kommunizieren kann? Genauso wenig bringt ein Produkt etwas, das zwar technisch überzeugt, aus betriebswirtschaftlichen Gründen aber nicht machbar ist. Eine offene Fehlerkultur ist in solchen Teams ein Muss, ebenso wie kurze Entscheidungswege zwangsläufig notwendig sind. Das fördert den Mut zur Kreativität und schafft das Fundament dafür, dass sich Mitarbeitende ermutigt fühlen, auch kreative und außergewöhnliche Ideen sowie Ansätze einzubringen.

Bei Mitarbeitenden kommt das übrigens gut an, wie die Wissenschaft schon längst feststellte. Regelmäßige Corporate Hackathons reduzieren zwar während sie stattfinden kurzzeitig den quantitativen Output, verbessern mittel- und langfristig aber die Zusammenarbeit, Effizienz, Unternehmenskultur und Arbeitgeberzufriedenheit. Im Idealfall entstehen so sogar neue, abteilungs- und kompetenzübergreifende Netzwerke, die fortan einen einfacheren und effizienteren Austausch unter dem Unternehmensdach ermöglichen.

Vom motivierenden Event zur nachhaltigen Umsetzung

Eben weil die Vorteile so offensichtlich sind, sollte das eigentliche Event nicht stiefmütterlich behandelt werden. Es soll, im wahrsten Wortsinn, eben ein echtes "Event" sein. Kreative Teamnamen und gemeinsame Arbeitsbereiche sowie kleinere Wettbewerbe sind da nicht die Ausnahme, sondern der Normalfall, auch weil sie für zusätzliche Dynamik sorgen und die Motivation steigern.

Eine weitere gute Möglichkeit ist die gezielte Identitätsentwicklung: Mit bedruckten Team-Shirts können die jeweiligen Teams als eine feste Einheit auftreten, der psychologische Effekt ist vergleichbar mit den einheitlichen Trikots im Sport. Es stärkt das Gemeinschaftsgefühl während der Veranstaltung und sorgt dafür, dass auch sich bisher fremde Menschen automatisch schneller zugehörig fühlen. Für die Organisatoren des Events hat es natürlich ebenfalls Vorteile, wenn die verschiedenen Teams schon optisch auf den ersten Blick direkt leicht zu erkennen und zuzuordnen sind.

Ist das Event erst einmal vorbei, gilt es, die dort entstandenen Mehrwerte zu extrahieren. Entwickelte Ideen werden objektiv und über klar definierte Kriterien bewertet, besonders vielversprechende Konzepte können ausgewählt und im Anschluss noch weiter ausgearbeitet werden. Letztlich soll das Unternehmen selbst schließlich auch einen klaren Mehrwert davon haben, weshalb früh festgelegt werden muss, wie sich die Verantwortlichkeiten verteilen und wie viele Ressourcen später zur Weiterentwicklung besonders ansprechender Konzepte zur Verfügung stehen.

So entsteht eine Win-win-Situation: Hackathons fördern neue Ideen und entschlüsseln das oft schon vorhandene Potenzial der Mitarbeitenden, Unternehmen profitieren im Idealfall mittel- und langfristig von den dabei hervorgebrachten Innovationen. Das kann dem deutschen Mittelstand förderlich sein, um trotz aller Widrigkeiten auch künftig weiter auf Erfolgskurs zu sein - speziell im Hinblick auf den fortwährend zunehmenden internationalen Wettbewerb.